Seite 225

Typus
Bauernopfer
Quelle
Auer 1977
Dissertation:
Seite: 225, Zeilen: 04-22, 103-112
 
Fundstelle:
Seite(n): 064; 065; 074, Zeilen: (S. 64) linke Spalte 27-32, 40-46; rechte Spalte 01-05, 38-46; (S. 65) linke Spalte 01-10; (S. 74) rechte Spalte 03-15
 
Die Vertreter einer Glaubensethik [FN 2] gehen davon aus, daß christliche Sittlichkeit nicht autonom ist, sondern aus dem Glauben entwickelt werden muß. Soweit nicht explizit vorhanden, müssen danach konkrete ethische Normen durch Ableitung oder Anwendung von der christlichen Botschaft her entwickelt werden. Je nach Ausformung der Denkansätze beziehen sich die Glaubensethiker auf die Bibel, die Tradition oder das Lehramt. In der Beschreibung des “christlichen Sinnhorizontes” finden sie allgemeine Zustimmung. Strittig werden ihre Thesen dort, wo es um die Methoden der Normenfindung geht.
Ein Beispiel für die Argumentation der Glaubensethiker ist die folgende Aussage von Hans Urs von Balthasar: “Die konkrete Existenz Christi – sein Leben, Leiden, Sterben und endgültig leiblich Auferstehen – hebt alle übrigen Systeme ethischer Normierung in sich auf; sittliches Handeln von Christen hat sich im letzten nur vor dieser Norm zu verantworten. Die in der Person Christi vollbrachte Synthese des gesamten Willens des Vaters ist eschatologisch und unüberbietbar, deshalb a priori universal normativ.” [FN 3]


[FN 2] vgl. dazu u.a.:
Stöckle,Bernhard: Autonome Moral. In: Stimmen der Zeit. 98 (1973). S. 723 – 736.
ders.: Grenzen der autonomen Moral. München 1974.
ders.(Hrsg.): Wörterbuch christlicher Ethik. Freiburg 1975.
Ratzinger,Josef )Hrsg.): Prinzipien christlicher Moral. Einsiedeln 1976 (mit Beiträgen von Heinz Schürmann und Hans Urs von Balthasar).
Scheffczyk,Leo: Die Theologie und das Ethos der Wissenschaften. In: Münchener Theologische Zeitschrift. 25 (1974). S.336-358.

[[FN 3] Balthasar,Hans Urs von: Neun Sätze zur christlichen Ethik. In: Ratzinger,Josef (Hrsg.): a.a.O. S. 67-93. hier: S.74.]

[Seite 64, li. Sp., Z. 27-32]

Die Vertreter einer Glaubensethik [EN 7] verbinden mit dem Begriff der Autonomie [...] die Leugnung eines weltüberlegenen Gottes.

[Seite 64, li. Sp., Z. 40-46]

Jedenfalls kann nach ihrer Auffassung christliche Sittlichkeit nicht autonom, sondern muß aus dem Glauben entwickelt werden. Von der christlichen Botschaft her müssen durch Ableitung oder Anwendung oder wie immer sonst konkrete ethische Normen entwickelt werden,

[Seite 64, re. Sp., Z. 1-5]

soweit sie nicht darin explizit enthalten sind. Die Glaubensethik stellt sich in verschiedenen Ausformungen dar, je nachdem sie sich hauptsächlich auf die Bibel, auf die Tradition oder auf das Lehramt beruft.

[Seite 64, re. Sp., Z. 38-46]

Sie sagen Beachtliches aus zur Bestimmung des “christlichen Sinnhorizonts” und können insoweit der allgemeinen Zustimmung gewiß sein. Aber ihre Thesen werden schwierig, wenn sie [...] eine bestimmte Meinung über Normenfindung insinuieren – so etwa, wenn H. Urs von Balthasar schreibt:

[Seite 65, li. Sp., Z. 1-10]

“Die konkrete Existenz Christi – sein Leben, Leiden, Sterben und endgültig leiblich Auferstehen – hebt alle übrigen Systeme ethischer Normierung in sich auf; sittliches Handeln von Christen hat sich im letzten nur vor dieser Norm zu verantworten … Die in der Person Christi vollbrachte Synthese des gesamten Willens des Vaters ist eschatologisch und unüberbietbar, deshalb a priori universal normativ.”[EN 9]


[Seite 74, re. Sp., Z. 3-15]

[EN 7] B. Stöckle, Autonome Moral. Kritische Befragung des Versuchs zur Verselbständigung des Ethischen, in: Stimmen der Zeit 98 (1973) 723-736; ders., Grenzen der autonomen Moral, München 1974; ders. (Hrsg.), Wörterbuch christlicher Ethik (Herderbücherei 533) Freiburg 1975; [...] J. Ratzinger (Hrsg.), Prinzipien christlicher Moral, Einsiedeln 1976 (mit Beiträgen von H. Schürmann und H. Urs von Balthasar); L. Scheffczyk, Die Theologie und das Ethos der Wissenschaften, in: Münchener Theol. Zeitschrift 25 (1974) 336-358; [...]

[[EN 9] In: J. Ratzinger, Prinzipien christlicher Moral 74.]



Anmerkung
Die Verfasserin übernimmt von Auer (1977) fast die gesamte Seite mitsamt fünf Literaturreferenzen, ohne dies kenntlich zu machen. Auer wird in der vorliegenden Arbeit zum ersten Mal am Ende des folgenden Absatzes auf der nächsten Seite erwähnt. Von den Literaturreferenzen werden anscheinend mindestens vier nicht überprüft:

1. Bei der ersten Referenz findet sich sowohl bei der Verfasserin als auch bei Auer eine falsche Namensschreibung: Der Autor heißt Bernhard Stoeckle.

2. Die von Joseph Ratzinger – dessen Vorname im Literaturverzeichnis richtig, hier aber falsch geschrieben wird – herausgegebenen Prinzipien christlicher Moral erschienen in erster Auflage 1975, in zweiter 1981. Eine Auflage von 1976 existiert nicht. Im Literaturverzeichnis findet sich das Werk ebenfalls mit falscher Jahreszahl.

Weiterhin lautet das Zitat bei von Balthasar im Original: “Die konkrete Existenz Christi – sein Leben, Leiden, Sterben und endgültig leiblich Auferstehen – hebt alle übrigen Systeme ethischer Normierung in sich auf; sittliches Handeln von Christen hat sich im letzten nur vor dieser Norm zu verantworten, die selbst das Urbild des vollkommenen Gehorsams an Gott den Vater darbietet. [Es folgen zwei längere Sätze, die hier nicht wiedergegeben werden.] Die in der Person Christi vollbrachte Synthese des gesamten Willens des Vaters ist eschatologisch und unüberbietbar, deshalb a priori universal normativ.”

Die Verfasserin bricht bei der Zitatwiedergabe also einfach vor dem Ende des ersten Satzes ab und setzt unmittelbar mit dem letzten Satz fort, ohne dies in irgendeiner Form kenntlich zu machen. Der wiedergegebene Text ist bis auf die Auslassungszeichen mit dem bei Auer identisch. Dass ihr der Originaltext vorliegt, ist daher zweifelhaft, auch wenn sie in FN 3 den Titel des Aufsatzes und Anfangs- und Endseitenzahl nennt, die sich bei Auer nicht finden.
 

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