Monthly Archives: Mai 2012

Seite 63

Typus
Bauernopfer
Quelle
Luhmann 1973
Dissertation:
Seite: 063, Zeilen: 01-12
 
Fundstelle:
Seite(n): 225, Zeilen: 01-14
 
Über soziale Bedingungen zur Konsistenz von Ich-Identität lassen umfangreiche Forschungen über Interaktionssysteme neue Schlüsse zu.

Für unseren Zusammenhang bedeutsam ist die Erkenntnis, daß alle Interaktionen -soweit die Partner einander als kontingent handelnde Subjekte voraussetzen- gesteuert werden durch “Erwartung von Erwartungen”, d.h. man erkennt, daß der Partner entsprechend seinen eigenen Erfahrungen und Erwartungen handelt, betrachtet ihn so als anderes Ich und versucht sich selbst mit den Augen des anderen, in dessen Erwartungsstruktur und
Bewußtseinshorizont zu sehen, um seine Verhaltenswahlen verstehen und möglicherweise voraussehen zu können. [FN 1]


[[FN 1] “Ego erwartet ein Verhalten von Alter, über das dieser als alter Ego entscheidet nach Maßgabe von Erwartungen, die er in Bezug auf Ego als sein Alter hegt; vielleicht auch nach Maßgabe von Erwartungen, von denen er erwartet, daß Ego sie als sein alter Ego in bezug auf ihn als Alter hegt” (ebd. S.225).]
1. Im Bereich der sozialen Bedingungen der Konstitution von Ich-Identität kann man heute auf umfangreiche […] Forschungen über Interaktionssysteme zurückgreifen. Danach kann es als gesichert gelten, daß alle Interaktion, sobald die Partner einander als kontingent handelnde Subjekte voraussetzen, durch kompliziert gebaute Erwartungsstrukturen gesteuert sein muß.[FN 4] Sobald man nämlich in Interaktionen davon ausgeht, daß der Partner anders handeln könnte und sein Handeln an eigenen Erwartungen und Erfahrungen steuert, erkennt man den anderen als anderes Ich. Man muß dann sich selbst mit den Augen des anderen, in dessen Erwartungsstruktur und dessen Bewußtseinshorizont sehen, man muß die Erwartungen des anderen erwarten können, um seine Verhaltenswahlen verstehen und voraussehen zu können. Alle Interaktion wird deshalb […] durch Erwartung von Erwartungen gesteuert. [Ego erwartet ein Verhalten von Alter, über das dieser als alter Ego entscheidet nach Maßgabe von Erwartungen, die er in bezug auf Ego als sein Alter hegt; vielleicht auch nach Maßgabe von Erwartungen, von denen er erwartet, daß Ego sie als sein alter Ego in bezug auf ihn als Alter hegt.]


Anmerkung
Man würde hier erwarten, dass die Verfasserin ihren Fließtext selbstständig formuliert, da sie zu dessen Beleg in FN 1 Luhmann (1973) zitiert. Tatsächlich übernimmt sie ihre Ausführungen aber in etwas modifizierter Form von der Stelle, die dem in der Fußnote zitierten Text unmittelbar vorausgeht.
 

Luhmann 1973

Angaben zur Quelle

Autor Niklas Luhmann
Titel Das Phänomen des Gewissens und die normative Selbstbestimmung der Persönlichkeit
Sammlung Naturrecht in der Kritik
Herausgeber Franz Böckle / Ernst-Wolfgang Böckenförde
Ort Mainz
Verlag Matthias Grünewald
Jahr 1973
Seiten 223-243
ISBN 3-7867-0390-6
   
Literaturverz.   ja
Fußnoten ja

Seite 69

Typus
Bauernopfer
Quelle
Luhmann 1965
Dissertation:
Seite: 069, Zeilen: 25-29
 
Fundstelle:
Seite(n): 276, Zeilen: 10-11, 14-16
 
Ein aktuelles Beispiel ist die Wehrpflicht und das Recht auf deren Verweigerung bei Gewissensanspruch.
Der Einzelne soll nicht in die Situation gebracht werden, etwas tun zu müssen, was gegen sein Gewissen gerichtet ist und seine Persönlichkeit zerstört.
Das bedeutsamste und akuteste Beispiel für direkten Zwang liefert die Wehrpflicht. […] Der Einzelne soll nicht in Situationen gepreßt werden, in denen sein Gewissen sich gegen ihn selbst wendet und seine Persönlichkeit zerstört.


Anmerkung
Da die Verfasserin unmittelbar vor und nach dieser Passage für wörtliche Zitate auf Luhmann (1965) verweist, hat der Leser den Eindruck, das erläuternde Beispiel mit der Wehrpflicht stamme im Gegensatz dazu von ihr. Es stellt sich die Frage, warum sie hier nicht z.B. den Konjunktiv verwendet, um deutlich zu machen, dass sie es lediglich von Luhmann übernimmt.
 

Luhmann 1965

Angaben zur Quelle

Autor Niklas Luhmann
Titel Die Gewissensfreiheit und das Gewissen
Sammlung Archiv des öffentlichen Rechts ; Bd. 90
Ort Tübingen
Verlag Mohr Siebeck
Jahr 1965
Seiten 257-286
   
Literaturverz.   ja
Fußnoten ja

Seite 46

Typus
Bauernopfer
Quelle
Helbig 1979
Dissertation:
Seite: 046, Zeilen: 106-110
 
Fundstelle:
Seite(n): 036, Zeilen: 18-22
 

[FN 2] […] Er fragt danach, wie menschliches Verhalten zu sozialem Verhalten wird, d.h. wie erreicht werden kann, daß das Verhalten aller Individuen einer Gesellschaft mehr oder weniger gleichförmig ausgestaltet ist. […]

[…] kann die Frage dahingehend präzisiert werden, wie menschliches Verhalten zu sozialem Verhalten wird, d.h. so geformt wird, daß es bei allen Individuen in einer […] Gesellschaft mehr oder weniger gleichförmig ausgestaltet ist.


Anmerkung
Am Ende von FN 2 nennt die Verfasserin Helbig (1979) mit S. 40/41 als Quelle für ihre kurzen Ausführungen zur Parsonsschen Soziologie. Diese Übernahme von S. 36 wird durch diese Angabe nicht abgedeckt.
 

Helbig 1979

Angaben zur Quelle

Autor Ludwig Helbig
Titel Sozialisation. Eine Einführung
Ort Frankfurt a.M. [u.a.]
Verlag Moritz Diesterweg
Reihe Studienbücher Politik
Ausgabe 1. Aufl.
Jahr 1979
Umfang VIII, 119 S.
ISBN 3-425-05190-5
   
Literaturverz.   ja
Fußnoten ja

Seite 33

Typus
Verschleierung
Quelle
Biemel 1973
Dissertation:
Seite: 033, Zeilen: 19-24
 
Fundstelle:
Seite(n): 045; 046, Zeilen: 23-24; 01-04, 35-36
 
Zum In-sein gelangt der Mensch nicht erst durch das Erkennen, im Gegenteil: nur weil ihm das Seiende bekannt ist, er darüber verfügt und damit vertraut ist in den verschiedensten Weisen des Besorgens, kann er sich auf das Erkennen einlassen. Erkennen setzt also immer schon den Bezug zur Welt voraus. [FN 4]


[[FN 4] “Im Sichrichten auf … und Erfassen geht das Dasein nicht etwa erst aus seiner Intimsphäre hinaus, in die es zunächst verkapselt ist, sondern es ist seiner primären Seinsart nach immer schon ‘draußen’, bei einem begegnenden Seienden der je schon entdeckten Welt” (ebd. S. 62).]
[Seite 45, Z. 23-24]

Es ist auch keineswegs so, daß wir erst durch das Phänomen des Erkennens zu so etwas wie dem In-sein gelangen würden;

[Seite 46, Z. 1-4]

umgekehrt: nur weil wir immer schon mit dem Seienden vertraut sind, was in den verschiedensten Weisen des Besorgens seinen Niederschlag findet, können wir uns auf eine spezifische Weise des Kennens einlassen – eben das Erkennen. […]

[Im Sichrichten auf … und Erfassen geht das Dasein nicht etwa erst aus seiner Innensphäre hinaus, in die es zunächst verkapselt ist, sondern es ist seiner primären Seinsart nach immer schon “draußen” bei einem begegnenden Seienden der je schon entdeckten Welt … […] (S. 62).]

[Seite 46, Z. 35-36]

Das Erkennen vermittelt nicht etwa die Möglichkeit der Herstellung des Bezugs zur Welt, sondern setzt diesen Bezug immer schon voraus […].



Anmerkung
FN 4 bezieht sich auf Sein und Zeit. Die Quelle für die Aussage im Fließtext der Verfasserin, Biemel, wird auf der gesamten Seite nicht erwähnt; somit gibt sie vor, selbst Heidegger zu interpretieren.
 

Seite 101

Typus
Verschleierung
Quelle
Nowak 1978
Dissertation:
Seite: 101, Zeilen: 07-12, 17-19, 102-103
 
Fundstelle:
Seite(n): 038, Zeilen: 05-15, 126-127
 
Die Reifung des Menschen erfolgt nach Jung im Rahmen der Individuation, worunter “allgemein der Vorgang der Bildung und Besonderung von Einzelwesen, speziell die Entwicklung des psychologischen Individuums als eines vom Allgemeinen, von der Kollektivpsychologie unterschiedenen Wesens” verstanden wird. [FN 1] […]

Sein Ziel ist die individuierte Persönlichkeit, die ihren Mittelpunkt erreicht hat, den Jung als den Archetypus des “Selbst” bezeichnet. [FN 3]


[[Seite 100, FN 3] Jacobi,Jolande: Der Weg zur Individuation. Zürich,Stuttgart 1965. S. 131.

[Seite 101, FN 1] ebd. S. 41. […]]

[FN 3] Jung,Carl Gustav: Die Beziehungen zwischen dem Ich und dem Unbewußten. Zürich 41945. S. 175 und 203.

Jung gebraucht für den ganzen Reifungsweg des Menschen den Begriff Individuation. […] “Die Individuation ist allgemein der Vorgang der Bildung und Besonderung von Einzelwesen, speziell die Entwicklung des psychologischen Individuums als eines vom Allgemeinen, von der Kollektivpsychologie unterschiedenen Wesens. […]”[FN 82]. Die Individuation ist […] ein Reifungsprozeß, durch den der Mensch den Mittelpunkt seiner Persönlichkeit erreicht, den Jung als Archetypus des “Selbst” bezeichnet[FN 83].


[[FN 82] C. G. Jung, Psychologische Typen, Olten – Freiburg 1971, S. 477.]

[FN 83] Vgl. C. G. Jung, Die Beziehung zwischen Ich und dem Unbewußten, Zürich 1945, S. 175 und 203.



Anmerkung
1. Der Verweis in FN 1 auf Jacobi, S. 41, führt ins Leere.

2. Weder auf S. 175 oder S. 203 noch in deren näherem Umfeld gebraucht Jung (5. Aufl. 1950, Seitenumfang identisch mit der 4. Aufl.) den Begriff “Archetypus”. Auf S. 203 heißt es lediglich: “Ich habe diesen Mittelpunkt als das Selbst bezeichnet.” (Hervorhebung im Original) Zwar spricht Jung an anderer Stelle tatsächlich davon, dass das Selbst ein Archetypus sei, aber mit den beiden von der Verfasserin genannten Quellenangaben lässt sich dies nicht belegen. Daher scheint hier eine nicht weiter überprüfte Übernahme aus Nowak (1978) vorzuliegen, auch wenn sie dessen fehlerhaft wiedergegebenen Titel des Werkes korrigiert und die Auflage ergänzt.
 

 


 

Typus
Bauernopfer
Quelle
Jacobi 1971
Dissertation:
Seite: 101, Zeilen: 21-27, 104-105
 
Fundstelle:
Seite(n): 028; 031; 046; 156, Zeilen: 20-22, 106; 03-05; 02-04; 02
 
[Dieses Selbst betrachtet Jung dialektisch: es versucht in jeder Beziehung] “die Thesis der reinen, unbewußten Natur und die Antithesis des Ichs in der Synthesis bewußter Natur zu vereinigen.” [FN 4]
Der Individuationsprozeß stellt keine gerade Linie dar. Er ist vielmehr ein stufenweiser, dessen Vorgänge und Phasen sich in zwei große Abschnitte gliedern lassen: in die der ersten und die der zweiten Lebenshälfte.


[FN 4] Adler,Alfred: Zur analytischen Psychologie.
Zürich 1952. S. 147.
[Seite 28, Z. 20-22]

In der trefflichen Formulierung von G. ADLER ausgedrückt: “… die Thesis der reinen, unbewußten Natur und die Antithesis des Ichs in der Synthesis bewußter Natur zu vereinigen[FN 5].”

[Seite 46, Z. 2-4]

Der Individuationsprozeß […] stellt keine gerade “Linie” dar […]. Sein Verlauf ist eher ein “stufenweiser” […].

[Seite 31, Z. 3-5]

Beide Varianten des Individuationsprozesses lassen sich in zwei große, zahlreiche weitere Phasen enthaltende Abschnitte gliedern: in jene der ersten und in jene der zweiten Lebenshälfte.

[Literaturverzeichnis Seite 156, Z. 2]

ADLER, G., Zur Analytischen Psychologie, Zürich 1952.


[Seite 28, Z. 106]

[FN 5] Zur Analytischen Psychologie, S. 147.



Anmerkung
Die Verfasserin schreibt hier Alfred Adler ein Zitat zu, das in Wirklichkeit von Gerhard Adler stammt: Alfred Adler hat nie eine Publikation mit dem Titel Zur analytischen Psychologie verfasst. Diese Phantomschrift findet sich auch in ihrem Literaturverzeichnis. Offenbar übersieht sie, dass Jacobi von “G. ADLER” bzw. “ADLER, G.” spricht. Außerdem heißt es bei Gerhard Adler (1952) im Original: “[…] die Thesis der reinen unbewußten Natur und die Antithesis des Ich […]”; das Komma und das Genitiv-s, die bei Jacobi zu finden sind, stehen dort nicht. Die Verfasserin nennt hier also nicht nur einen falschen Autor, sondern übernimmt auch ungeprüft ein inkorrektes Zitat von Jacobi.

Die folgenden sinngemäßen Übernahmen von Jacobi werden nicht kenntlich gemacht. Da Jacobi kurz darauf für ein wörtliches Zitat auf S. 34 angeführt wird, Klassifizierung als Bauernopfer.
 

Nuttin 1956

Angaben zur Quelle

Autor Josef Nuttin
Titel Psychoanalyse und Persönlichkeit
Herausgeber Institut für Pädagogik und angewandte Psychologie der Universität Freiburg in der Schweiz unter Leitung der Professoren Dr. L. Dupraz und Dr. E. Montalta
Ort Freiburg (Schweiz)
Verlag Universitätsverlag
Reihe Arbeiten zur Psychologie, Pädagogik und Heilpädagogik ; 10
Jahr 1956
Umfang 338 S.
Anmerkung Dt. Übersetzung von Psychanalyse et conception spiritualiste de l’homme
   
Literaturverz.   ja
Fußnoten ja

Seite 114

Typus
Bauernopfer
Quelle
Nowak 1978
Dissertation:
Seite: 114, Zeilen: 03-05, 101-102
 
Fundstelle:
Seite(n): 050, Zeilen: 20-22, 106
 
Caruso beschreibt das Gewissen als gelebte, wenn auch manchmal nicht bewußte Sicherheit einer Transzendenz und als eine Qualität des Menschseins. [FN 1]


[FN 1] ders.: Tiefenpsychologie und Angst. In: Anima.3 (1953). S. 247.
[…] für Caruso ist das Gewissen die gelebte, wenn auch manchmal nicht bewußte Sicherheit einer Transzendenz und eine Qualität des Menschseins[FN 140].


[FN 140] Vgl. I. A. Caruso, Tiefenpsychologie und Angst, in: “Anima”, VIII, 3 (1953), S. 247.


Anmerkung
Die Aussage, dass das Gewissen eine “gelebte, wenn auch manchmal nicht bewußte Sicherheit einer Transzendenz” sei, kommt in Caruso (1953) weder so noch in ähnlicher Form an irgendeiner Stelle vor. Ganz offenbar schreibt die Verfasserin hier also schlicht aus Nowak (1978) ab, ohne dessen vermeintliche Caruso-Aussage zu verifizieren; im Literaturverzeichnis wird der Aufsatz nicht aufgeführt. – Da Nowak im folgenden Absatz für ein wörtliches Zitat angeführt wird, Klassifizierung als Bauernopfer.