Seite 312

Typus
Bauernopfer
Quelle
Hupperschwiller 1970
Dissertation:
Seite: 312, Zeilen: 01-25, 101-103, 106-107, 109-117
 
Fundstelle:
Seite(n): 054; 055, Zeilen: 09-42; 01-03
 
[Sie besagt in diesem Zusammenhang, daß die Verlegung äußerer elterlicher Kontrolle in das Über-Ich eine Identifizierung bedeutet, d.h. "eine Angleichung eines Ichs an ein fremdes, in deren Folge dies] erste Ich sich in bestimmten Hinsichten so benimmt wie das andere, es nachahmt, gewissermaßen in sich aufnimmt.” [FN 1] Für diesen Identifizierungsvorgang, der als wesentlichster Mechanismus der Übernahme von Werten, Normen und Orientierungsweisen im Laufe der Entwicklung gesehen werden kann, gibt es unterschiedliche Motive. Nach Freud gehört dazu, daß das Kind bei Überwindung des Ödipus-Komplexes aus Angst vor drohendem Liebesentzug durch den Vater oder die Mutter deren drohende und verbietende Stimme als Über-Ich introjiziert. [FN 2]
Losgelöst vom Ödipuskomplex kann man generell davon ausgehen,daß es zu angstmotivierter Identifikation dann kommt, wenn die Erzieher autoritär in die Persönlichkeit eingreifen. [FN 3]
Neben der Normenintrojektion aus Angst vor den Erziehern ist eine andere Motivgruppe feststellbar, “deren Häufigkeit soweit ersichtlich umgekehrt proportional zu autoritären Erziehungsformen steht” [FN 4]. Gemeint ist die Vielzahl der Fälle, in denen das Kind die Werte und Normen seiner Eltern verinnerlicht, weil es mit ihnen gefühlsmäßig in positiver Weise verbunden ist und den Wunsch hat, in Harmonie mit ihnen zu leben. [FN 5]
Die Eltern sind dem Kind Vorbild und lassen in ihm den Wunsch aufkommen, das zu können und zu dürfen, was sie tun [FN 6], bzw. so zu sein, wie die Eltern. [FN 7]


[FN 1] Freud,Sigmund: Neue Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. In: Ges.W. Band XV. London 1949. S. 69.

[[FN 2] ders.: Das Ich und das Es. In: Ges.W. Band XIII. London 51967. S. 235-289. hier: S. 260ff.]

[FN 3] Freud,Anna: Das Ich und die Abwehrmechanismen. London 1946. S. 125ff.

[[FN 4] Hupperschwiller,Lutz: a.a.O. S. 54.]

[FN 5] Roth,Heinrich: Zur pädagogischen Psychologie des Gewissens und der Gewissensbildung. S. 291.

Zulliger,Hans: Gespräche über Erziehung. Bern/Stuttgart 1960. S. 72.

Hapke,Eduard: Über die Natur des Gewissens. In Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie. 11 (1962). S. 115.

[FN 6] Caruso,Igor A.: Bios,Psyche,Person. S. 321.

[FN 7] Zulliger,Hans: a.a.O. S. 67.

[Seite 54, Z. 9-42]

[...] die Grundlage der Umwandlung der Elternbeziehung in das Über-Ich [...] ist eine Identifizierung, d. h. “eine Angleichung eines Ichs an ein fremdes, in deren Folge dies erste Ich sich in bestimmten Hinsichten so benimmt wie das andere, es nachahmt, gewissermaßen in sich aufnimmt” (Freud 1949, XV; 69). [...] Da die Angleichung eine möglichst vollständige ist, [...] haben wir in dieser [...] den wesentlichsten Mechanismus der Internalisierung, der Übernahme von Werten, Normen und Orientierungsweisen zu sehen [...].

Wie wir heute feststellen können, erfolgt diese Identifizierung aus den unterschiedlichsten Motiven, von denen eines das von Freud genannte ist: bei der Überwindung des Ödipus-Komplexes wird aus Angst vor dem drohenden Liebesentzug durch Vater und Mutter deren drohende und verbietende Stimme vom Kind als Über-Ich introjiziert (1955, XIII; 260 ff.). Diese Identifizierung aus Angst finden wir aber auch später noch, unabhängig vom Ödipus-Komplex [...], so etwa als Abwehrmechanismus bei der angstmotivierten Identifizierung mit einem autoritär in die Persönlichkeit eingreifenden Erzieher [...] (vgl. A. Freud 1946, 125ff.).

Identifizierung aus Angst repräsentiert jedoch nur die eine Motivgruppe. Daneben steht eine mit ihren Motiven konträr ausgerichtete Gruppe: in einer Vielzahl von Fällen, deren Häufigkeit soweit ersichtlich umgekehrt proportional zu autoritären Erziehungsformen steht, introzipiert das Kind die Normen und Werte der Eltern [...] aus dem positiven angstfreien Antrieb heraus, in Übereinstimmung mit ihnen zu leben

[Seite 55, Z. 1-3]

(Roth 1957, 241; Zulliger 1960, 72; Hapke 1962, 115f.), um so zu sein wie sie (Zulliger 1960, 67), um all das zu können und zu dürfen, was diese tun (vgl. auch Caruso 1957, 321).



Anmerkung
Fortsetzung von der Vorseite. – Übernahme der gesamten Seite von Hupperschwiller (1970) mitsamt sieben Literaturreferenzen. Der Verweis auf Hupperschwiller in FN 4 bezieht sich nur auf einen – korrekt – als wörtliches Zitat gekennzeichneten Halbsatz. Zu den Fußnoten:

1. Man beachte, dass die Verfasserin an dieser Stelle eine andere Ausgabe der Neuen Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse nennt als im Literaturverzeichnis.

2. FN 2 wird nicht als Plagiat gewertet, da von der Verfasserin eine andere Ausgabe von Bd. XIII der Gesammelten Werke Freuds als verwendet angegeben wird.

3. Die Seitenangabe bei Roth (1957) wird von der Verfasserin fehlerhaft übertragen (der Aufsatz endet auf S. 248).

 

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