Seite 143

Typus
Verschleierung
Quelle
Oser 1976
Dissertation:
Seite: 143, Zeilen: 03-20
 
Fundstelle:
Seite(n): 324, Zeilen: 07-22
 
Zur vergeltenden Gerechtigkeit lassen sich zwei Typen von Strafen unterscheiden:
- Bei auf Zwang beruhenden Beziehungen im Rahmen einer heteronomen Moral und reinen Pflicht entscheiden sich die Kinder für Sühne-Strafen. Zwischen dem Inhalt der Strafe und der bestraften Handlung selbst gibt es keine Beziehung. Die Sühne wird als moralisch notwendig und als pädagogisch nützliche Vorbeugungsmaßnahme gegen Rückfälle angesehen. Einfluß auf die Verteidigung der Sühne-Strafen nehmen dabei vor allem das individuelle Rachebedürfnis und die einseitige Achtung vor der Autorität der Erwachsenen.
- Auf Gegenseitigkeit beruhende Strafen entsprechen der Moral der Autonomie und Zusammenarbeit. Sie erscheinen insofern als begründet, als zwischen dem jeweiligen Schweregrad von Vergehen und Strafe eine inhaltliche Beziehung besteht. Solche Strafformen entstehen als Folge der Anerkennung der Gleichheits- und Gerechtigkeitsbeziehungen der Kinder untereinander.
Er unterscheidet zwischen zwei Typen von vergeltender Gerechtigkeit:
- Die Sühne-Strafen entsprächen den auf Zwang beruhenden Beziehungen, der Heteronomie-Moral und reinen Pflicht. Es bestehe keine Beziehung zwischen dem Inhalt der Strafe und der Natur der bestraften Handlung. Die Sühne wird als moralisch absolut notwendig und als pädagogisch nützliche Vorbeugungsmassnahme gegen Rückfälle angesehen. Der Begriff der Sühne ergebe sich aus der Verbindung zweier Einflüsse: dem individuellen Rachebedürfnis und der einseitigen Achtung vor der Autorität der Erwachsenen.

- Die auf Gegenseitigkeit beruhenden Strafen entsprächen der Moral der Autonomie und Zusammenarbeit. Sie erscheinen “begründet”, d.h. es bestehe ausser dem Verhältnis zwischen dem jeweiligen Schweregrad von Vergehen und Strafe noch eine inhaltliche Beziehung. Diese Strafformen entständen als Folge des [...] Zurücktretens der einseitigen Achtung vor dem Erwachsenen zugunsten der Gleichheits- und Gegenseitigkeitsbeziehungen der Kinder untereinander.



Anmerkung
Die Verfasserin übernimmt – teils etwas abgewandelt – Ausführungen von Oser (1976) über Piaget, ohne diesen als Quelle zu benennen. Der Begriff “Strafformen” findet sich bei Piaget zudem nicht.
 
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