Seite 83

Typus
Bauernopfer
Quelle
Häfner 1959
Dissertation:
Seite: 083, Zeilen: 04-23
 
Fundstelle:
Seite(n): 702, Zeilen: 28-41
 
In jeder Erziehung enstehen nach Freud durch die Versagung von Bedürfnisbefriedigungen ursprünglich gegen die Eltern gerichtete,aggressive Impulse. Durch die Introjektion des Elternimago kommt es zu einer Rückwendung der Aggressionen gegen das eigene Ich. Immer gilt das Prinzip, daß Triebe, denen eine äußere Befriedigung versagt ist, sich innerhalb des Organismus auswirken.
Wie stark sich nun die Aggression gegen das eigene Ich auswirkt, wie hart und unerbittlich das Über-Ich wird, hängt einmal ab von der Moralität der introjizierten Elterninstanz und zum anderen von der Strenge der äußeren Autorität und der Stärke der libidinösen Objektbeziehung in der Ödipussituation. Je intensiver die libidinöse Bindung war und je schneller sie unter dem Einfluß der elterlichen Autorität verdrängt wird, umso strenger wird das Über-Ich über das Ich walten.
Ein besonders strenges Über-Ich kann nach Freud auch dann entstehen, wenn zwar die Erziehung relativ mild verläuft, die Eltern selbst aber ein übermäßig hartes, unduldsames Über-Ich haben, das vom Kind introjiziert wird.
[Ein überstrenges Über-Ich führt zu “einer starren, anpassungsbehinderten Haltung gegenüber der Außenwelt, zu Triebhemmungen, Triebangst, ständigen Schuldgefühlen und zu einer fortwährenden Unterdrückung und Entmutigung des Ich” [FN 1].]


[[FN 1] Häfner,Heinz: Das Gewissen in der Neurose. In: Handbuch der Neurosenlehre und Psychotherapie. Hrsg.: Viktor E. Frankl u.a. Bd. II. München 1959. S. 692 – 726. hier: S. 702.]
In jeder Erziehung entstehen durch die Versagung primitiver Bedürfnisse ursprünglich gegen die Eltern gerichtete, aggressive Impulse. Mit der Introjektion der Elternimago kommt es aber zu einer Rückwendung der Aggressivität gegen das Ich, denn auch hier gilt das Prinzip, daß Triebe, denen eine äußere Befriedigung versagt ist, sich innerhalb des Organismus auswirken. Verbunden mit der Moralität der introjizierten Elterninstanz tragen sie zur Entstehung eines harten, grausamen Über-Ich bei. Vor allem aber ist die Härte des Über-Ich auf die Strenge der äußeren Autorität und die Stärke der libidinösen Objektbeziehung in der Ödipussituation zurückzuführen [...]. Je intensiver die libidinöse Bindung an die Eltern war und je schneller unter dem Einfluß der elterlichen Autorität ihre Verdrängung erfolgte, um so strenger wird das Über-Ich als Gewissen über das Ich herrschen. Doch kann nach der Meinung FREUDs auch ein strenges Über-Ich zustande kommen, wenn die Erziehung relativ mild verlief, dann nämlich, wenn die Eltern selbst ein übermäßig hartes, unduldsames Über-Ich hatten, das vom Kinde introjiziert wurde.

[[...] Grundsätzlich führt ein überstrenges Über-Ich zu einer starren, anpassungsbehinderten Haltung gegenüber der Außenwelt, zu Triebhemmungen, Triebangst, ständigen Schuldgefühlen und zu einer fortwährenden Unterdrückung und Entmutigung des Ich.]



Anmerkung
Die Verfasserin verweist lediglich für ein wörtliches Zitat am Ende der Seite auf Häfner (1959). Tatsächlich übernimmt sie aber an dieser Stelle ihre gesamten Ausführungen von diesem. Insbesondere suggeriert auch die zweimalige Verwendung des Ausdrucks “nach Freud”, es habe hier eine eigene Rezeption von Freud stattgefunden.
 
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